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Ärztlicher Beirat DMSG Landesverband Bayern

Patienteninformation und Stellungnahme zur COVID-19 Pandemie


Die gegenwärtige Pandemie stellt für alle Menschen eine außergewöhnliche Belastung dar, für chronisch Kranke sicher noch mehr als für Gesunde. Da ist die Angst selbst an COVID-19 zu erkranken oder gar daran zu sterben, die Angst, dass die Immuntherapie eine Coronavirus (SARS-CoV2) Infektion erleichtern könnte, dass ein neuer MS-Schub auftritt, dass man sich in der Praxis des Neurologen, einer MS-Ambulanz, im Krankenhaus oder am Arbeitsplatz ansteckt. Dazu kommen die gegenwärtige Isolierung („soziale Distanz halten“), vielleicht auch wirtschaftliche und berufliche Sorgen. Man fühlt sich hilflos, hat Zukunftsängste und wird depressiv, vielleicht aber auch ärgerlich oder wütend.

All diese seelischen Reaktionen sind kein Ausdruck einer zusätzlichen Erkrankung, sondern ganz normale Reaktionen auf eine ungewohnte und bislang nie erlebte Situation. Wir alle wissen derzeit nicht, wie lange diese Lebenssituation noch andauern wird.

Umso wichtiger ist es besonnen zu bleiben. Halten Sie also unbedingt alle Maßnahmen ein, wie sie zum Schutz vor einer Ansteckung mit SARS-CoV2 von der bayerischen Landesregierung und der Bundesregierung empfohlen werden.

Bisher ist nicht genau bekannt, ob MS-Erkrankte generell ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit SARS-CoV2 oder für einen schweren Verlauf von COVID-19 haben. Bisherige Zahlen sprechen eher dagegen. Auch die Behandlung mit Immuntherapien scheint dieses Risiko nicht generell zu erhöhen. Vielmehr zeigen erste Erfahrungen mit MS-Erkrankten und gleichzeitiger COVID-19-Erkrankung aus Italien keine erhöhte Zahl an Todesfällen.

Das Risiko einer MS-Immuntherapie, sei es deren Fortführung oder ein Neubeginn, muss jedenfalls differenziert betrachtet werden. Dem eventuell erhöhten Infektionsrisiko kann das erhöhte Risiko eines neuen Schubes oder einer Verschlechterung durch eine verzögerte oder abgebrochene Behandlung gegenüberstehen. Sprechen Sie daher, wenn Sie sich unsicher fühlen, Ihre Neurologin/Ihren Neurologen hierauf an, evtl. auch telefonisch oder telemedizinisch. Auch können Sie für eine erste Einschätzung auch eine Telefon- oder Email-Hotline in Anspruch nehmen, beispielsweise der DMSG oder der Marianne-Strauß-Klinik.
Die vom Ärztlichen Beirat des DMSG Bundesverbandes erarbeitete umfassende Darstellung dazu, wie bei den verschiedenen Immuntherapien verfahren werden sollte, finden Sie hier.


In der Regel sollte Ihre Immuntherapie also fortgesetzt werden, wenn sie gut wirksam ist und gut vertragen wird. Voraussetzung ist allerdings die unbedingte Einhaltung der allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln zur Vorbeugung einer SARS-CoV2 Infektion.

Viele Praxen und Kliniken haben sich mittlerweile auf das aktuelle Infektionsrisiko gut eingestellt und können Arztbesuche und Infusionstherapien unter Einhaltung erhöhter Infektionsschutzmaßnahmen sicher gewährleisten.

Wenn Sie als MS-Erkrankte jedoch COVID-19-Symptome entwickelt haben oder positiv auf eine SARS-CoV2 Infektion getestet wurden, sollten Sie ihre MS-Therapie unbedingt mit Ihrer Neurologin/Ihrem Neurologen oder einem MS-Zentrum besprechen.

Denken Sie bitte auch daran, allfällige Untersuchungen weiterhin regelmäßig durchzuführen, insbesondere notwendige Laborkontrollen. MRT-Untersuchungen hingegen könnten eventuell aufgeschoben werden. Bei neuen Symptomen informieren Sie bitte sofort Ihre Neurologin/Ihren Neurologen.

Physiotherapie, Ergotherapie und Rehabilitationsmaßnahmen werden derzeit aus Sicherheitsgründen oft zurückgestellt. Dies könnte mittel- und langfristig zu zunehmenden körperlichen Einschränkungen führen. Leider haben gerade schwer betroffene MS-Erkrankte mit dem höchsten Bedarf dieser Maßnahmen auch das höchste Risiko von COVID-19-Komplikationen. Wenn diese Therapien doch stattfinden können, sollten sowohl Sie als auch der Therapeut in dieser Zeit eine medizinische Mund-Nasenschutz-Maske, der Therapeut außerdem Handschuhe tragen.


Um diese Zeit so gut wie möglich zu überstehen, wollen wir noch einige weitere Empfehlungen aussprechen:

  • Informieren Sie sich über Ihr persönliches Risiko und über die Möglichkeiten, sich vor Ansteckung zu schützen, z.B. bei Ihrem Neurologen.
  • Halten Sie regelmäßig über Telefon oder elektronische Medien Kontakt zu vertrauten Menschen aus Familie und Freundeskreis.
  • Achten Sie auf einen gut strukturierten Tagesablauf, setzen Sie sich klare tägliche Ziele, z.B. Tagebuch schreiben, regelmäßige Zeiten für körperliche Aktivität.
  • Bleiben Sie körperlich aktiv, z.B. täglich mindestens 30 min. Spaziergänge, Nordic Walking, Fahrradfahren, ggf. zusätzlich muskelkräftigende Übungen, persönliches Bewegungsprogramm.
  • Machen Sie Entspannungsübungen, z.B. Atemübungen, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, Yoga, Pilates.
  • Physiotherapie, Ergotherapie: Führen Sie Ihre bisherigen Übungen so gut wie möglich ohne Therapeuten fort.
  • Bleiben Sie kognitiv aktiv durch Gespräche, Lesen, Spiele, Sudoku, Kreuzworträtsel.
  • Achten Sie auf gesunde Ernährung, vermeiden Sie möglichst Rauchen und Alkohol.
  • Gönnen Sie sich Pausen von der täglichen Flut von „Corona-Nachrichten“. Wenn Sie sich aber informieren, nutzen Sie gezielt die vielfältigen Angebote seriöser Quellen: Tageszeitung, Rundfunk, Robert-Koch-Institut, Gesundheitsministerien in München oder Berlin, DMSG, Klinisches Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS).


Prof. Ingo Kleiter und Prof. Thomas Henze für den Ärztlichen Beirat der DMSG Landesverband Bayern.

 

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